Ola aus Salou!

27.05.2007
Von: Volta Ciclista a Catalunya

In dem Massentouristenort Salou nahe Barcelona startet die Katalonien-Rundfahrt.

Sieben Etappen stehen vor uns und davon ist keine flach, außer dem Mannschaftszeitfahren am ersten Tag.

Das Fahrerfeld ist natürlich superstark besetzt. Meine Ziele sind somit klar:
Ich will versuchen, so viel es geht, der Mannschaft zu helfen und die Rundfahrt zu Ende zu fahren. Das wird wahrscheinlich schon eine große Herausforderung werden, wäre aber gut für das Selbstbewusstsein und dürfte ein weiterer Schritt in meiner Entwicklung sein.

Die Vorbereitung lief nicht optimal. Von der Tour de Romandie hatte ich mich zunächst sehr gut erholt. Dann zog ich mir jedoch bei einer langen Trainingseinheit durch den Schwarzwald eine Reizung der Achillessehne zu. Dadurch konnte ich fast eine Woche nicht trainieren. Rechtzeitig gingen die Beschwerden zurück, sodass der Start hier ungefährdet ist.

Das Mannschaftszeitfahren und die zweite Etappe werden mir sicher nach einer Woche Ruhe weh tun, aber dann müsste es besser laufen.?


1. Etappe: Schmerzen über Schmerzen

Uff. Das war heute richtig eklig für mich.

Vormittags haben wir zwei Stunden trainiert und  den 15km langen Zeitfahrkurs besichtigt. Eine weitestgehend flache Strecke, jedoch mit einigen Kurven und unheimlich viel Wind.

Wie bereits morgens fühlte ich mich beim Warmfahren am Nachmittag nicht besonders toll.

Dennoch konnte ich meine Leistung ganz gut abrufen, denke ich. Wir fuhren ein ziemlich harmonisches Zeitfahren mit gleichmäßigem Tempo.

Zwei Kilometer vor dem Ziel war ich schon total am Anschlag, als Seppel vor mir wechselte und ich in den Wind kam. Da wir noch zu siebt waren und die Zeit des fünftbesten Fahrers gewertet wurde, entschloss ich mich schnell dazu, jetzt meine letzte Führung zu fahren.

Im Prinzip war das mein erstes richtiges Mannschaftszeitfahren, wenn es auch nur sehr kurz war. Eine wirklich harte Disziplin.

Wir kamen auf den achten Rang. Abgesehen von der Siegermannschaft Caisse Espargne waren die anderen sechs Teams vor uns nur wenige Sekunden schneller. Insofern ist das Ergebnis in Ordnung.

Am Abend saßen wir nach dem Essen noch zusammen am Pool des Hotels, als auf einmal hinter uns ein italienischer ?Streit? ausbrach. Ein Liquigas-Fahrer warf gemeinsam mit dem Sieger der Flandern-Rundfahrt,Ballan, ?Bippo? Pozatto in den Pool.


2. Etappe: Wieder Sturzpech im Team

Die heutige Etappe verlief sehr ruhig. Zudem wurde die Strecke kurzfristig um zwanzig Kilometer verkürzt. Dennoch war es nicht der angenehmste Tag für uns.

Schnell fuhren zwei Fahrer weg und kurze Zeit später signalisierte Perreiro, dass das Feld die Zwei nun ziehen lassen soll und sein Team das Rennen kontrollieren wird.

Durch hügeliges Gelände mit viel Wind und einem drückenden, warmen Wetter war die Etappe trotzdem irgendwie unangenehm zu fahren.

Gegen Ende wurde es dann hektisch. Es kam zum Massensprint und jeder fühlte sich noch frisch und wollte reinhalten. Unser Mann für den Sprint war der Schweizer Markus Zberg. Drei Kilometer vor dem Ziel lag Seppel auf der Straße und zweihundert Meter vor dem Ziel stürzte Markus auch noch sehr schwer.

Auf einer solchen ersten Etappe ist ein Sprint schon gefährlich genug, aber heute hatte die Organisation das noch unnötigerweise verschärft. Die ganze Etappe waren wir auf guten großen Straßen gefahren und im Finale wurden sie dann immer schmaler. Auf den letzten zwei Kilometern gings dann nochmal kurz rauf und wieder runter mit insgesamt sieben, acht Kurven.

Naja. Seppel und Markus sind zum Glück ohne Brüche davongekommen und werden morgen wahrscheinlich starten können.


3. Etappe: Erneuter Massensprint

Leider mussten wir heute dezimiert in die Etappe gehen. Markus ging es nicht gut. Er war gestern im Zielsprint u.a. auch auf den Kopf gefallen und hatte sehr starke Kopfschmerzen.

An Radrennen war so nicht zu denken. Hoffentlich erholt er sich schnell von seinen Verletzungen.

Die Etappe verlief ähnlich wie die gestrige. Früh bildete sich eine sechsköpfige Gruppe.

Caisse Espargne gab im Hauptfeld das Tempo vor. Wieder ging es nur rauf und runter. Starker Wind und Temperaturen um 30 Grad waren die typisch spanischen Rahmenbedingungen.

Da der Vorsprung der Ausreißer konstant hoch blieb, wurde es im Finale unheimlich schnell. Einige Teams wollten einen Massensprint herbeiführen.

Die letzten 30 Kilometer waren dabei der Wahnsinn. Die letzten 10 Kilometer mit Rückenwind sind wir nur noch 70 Sachen gefahren. Es ist doch erstaunlich, dass es in dieser Phase nirgendwo in dem lang gezogenen Feld reißt. Daran kann man das Niveau eines ProTour Rennens erkennen.

Wir hielten uns alle aus dem Sprint raus.

 
4. Etappe: Hartes Stück Arbeit


Das war heute wohl die schwerste Etappe, die ich bisher gefahren bin.

Auf 200 Kilometern über sechs Bergwertungen kamen 4800 Höhenmeter zusammen.

In der Ausreißergruppe des Tages waren keine besonders gefährlichen Fahrer dabei und so war das Tempo im Hauptfeld lange Zeit erträglich. Bei schwülen 30 °C war das Trinken besonders wichtig. 6 Trinkflaschen Wasser, 2 Trinkflaschen Mineralgetränke, 2 Trinkflaschen ½ Wasser ½ Extran, sowie zwei Dosen Cola habe ich während des Rennens ungefähr zu mir genommen.

Vor der zweitletzten Bergwertung fuhren wir ein lang gezogenes Tal hoch nach Andorra. Da wurde es dann ernst. Mit Rückenwind zeigte der Tacho fast die ganze Zeit 50 an und ein unheimlicher Positionskampf im Feld begann. Mir ging es noch ganz gut, aber als es dann plötzlich rechts abging in den Berg, war ich viel zu weit hinten. Viele Positionen vor mir riss das Feld auseinander und ich hatte keine Chance mehr vorzukommen. Eigentlich schade, denn besonders am Schlussanstieg hatte ich noch einige Reserven und kam relativ locker dort hoch. Im Ziel auf 2000 Metern Höhe hatte ich so ca. 12 Minuten Rückstand auf die Ersten.

Markus kam als 23. an. Eine ordentliche Platzierung. Er hat ja noch viel Zeit bis zur Tour.

 
5. Etappe: Bergzeitfahren

Heute Morgen war ich richtig gerädert. Nach dem Frühstück ging ich ein bisschen auf die Rolle und danach war wieder alles besser.

Auch beim Warmfahren fühlte ich mich dann nicht schlecht. Gleich nach dem Start fing aber wieder das rechte Knie an zu schmerzen und weiter oben auch die Achillessehne. Beide Stellen hatten sich am Vorabend nach der schweren Etappe bemerkbar gemacht.

Deshalb wollte ich ein bisschen die Gelenke schonen und fuhr zügig, aber nicht mit aller Kraft hoch auf 2200 Meter. Dort war es am regnen und
empfindlich kalt.?

Hoffentlich gehen die Gelenkprobleme wieder zurück, damit ich die restlichen zwei Etappen noch fahren kann. Das Schwerste ist ja überstanden. In den nächsten zwei Wochen habe ich genug Zeit, meine Problemstellen auszukurieren.

 
6. Etappe: Vorzeitiges Ende

Heute gings gleich nach dem Start 18km berghoch. Dort war es so unglaublich schnell. Kein einziges Mal habe ich aufs kleine Blatt geschaltet, weil es nie viel langsamer als 30 km/h wurde. Ich hatte aber richtig gute Beine und konnte relativ mühelos weit vorne im Feld mithalten. Trotz des hohen Tempos sind vielleicht höchstens 50 Fahrer abgehängt worden. Nach einer langen Abfahrt bildete sich endlich eine Fluchtgruppe und es wurde erstmal wieder piano gefahren, wodurch das Hauptfeld wieder zusammenlief.

Bis zum Ziel in Lloret de Mar war die Strecke fast nur noch abfallend.

4 Kilometer vor Schluss kracht es wieder bei Tempo 60 und Föthchen ist auch darin verwickelt. Einige Fahrer hat es hart getroffen und ich bleibe gleich bei Markus stehen, um zu schauen, wie es ihm geht. Er hat richtig Glück gehabt und kaum Blessuren.

Das Positive für mich am heutigen Tag war, dass es richtig gut lief. Das Negative dagegen überwiegt leider. Meine Achillessehne hat erneut angefangen wehzutun.

Da es weder für mich noch für die Mannschaft morgen noch um sehr viel geht, haben wir uns dazu entschlossen, dass es besser für mich ist, die letzte Etappe nicht zu fahren. Das ist natürlich kein schönes Gefühl, denn ich habe noch nie eine Rundfahrt vorzeitig beendet.?

Es ist aber das Vernünftigste.

Hoffentlich geht das Problem wieder zurück und ich finde die Ursache. Zu meinem Jahreshöhepunkt, der Tour de Suisse, will ich selbstverständlich topfit sein.


Bis bald

Johannes