Eine wunderschöne Etappe?

05.05.2007
Von: Tour de Romandie

?hätte es sein können bei ordentlichem Wetter. Bei Dauerregen und einstelligen Temperaturen war es aber ein äußerst unangenehmer Arbeitstag.

Es ging über vier Bergwertungen der ersten Kategorie durch eine wahrscheinlich herrliche Berglandschaft. Außer Regen, Nebel und Wolken hat man aber nichts zu Gesicht bekommen. Nach den langen Abfahrten hab ich an keiner Stelle im Körper mehr groß was gefühlt - abgesehen von den Schmerzen in der tauben Beinmuskulatur. Für unsere Mannschaft lief es auch eher enttäuschend. Schnell verloren wir Hieke, Frösi und Marcel, die aussteigen mussten. Besonders Markus machte die Kälte zu schaffen und er fiel nach seinem Höhentrainingslager in Teneriffa in ein kleines Leistungstief. Sein Etappensieg sollte ihm aber Selbstvertrauen geben und zeigen, dass er im Plan liegt in Richtung Tour de France.

Ich bin mit meiner Leistung auf der Etappe jedoch zufrieden gewesen. Vom Start an ging es direkt zwölf Kilometer bergauf. Ohne großen Respekt attackierte ich mit Olli zusammen vorne rein. Wir lösten uns mit einer 20 Fahrer starken Gruppe. Aus dieser enstand die Spitzengruppe des Tages, bei der ich nicht mithalten konnte. Keine Schande denke ich. Mit Brochard, Guerini, Moncoutie waren namhafte Bergfahrer dabei.

Im Hauptfeld kontrollierte Astana die ganze Etappe und unter ihrem Tempodiktat wurde die Gruppe immer kleiner.

Meine Aufgabe bestand darin, meinen Teamkollegen zu helfen. Das bedeutet warmen Tee oder z.B. auch trockene Handschuhe aus dem Begleitfahrzeug zu besorgen.

Nach der letzten Abfahrt fuhren wir mit hohem Tempo Richtung Schlussanstieg. Das Feld bestand nur noch aus ca. 60 Fahrern und ich befand mich noch an der Seite von Beat, Olli und Bernhard Kohl. Da wollte ich ihnen vor der Bergankunft alle Klamotten abnehmen, die sie nicht mehr benötigten. Gleichzeitig bekam ich dann drei mit Wasser aufgesaugte Westen und drei Jacken in die Hände gedrückt. Bei Tempo 50 hatte ich Probleme alles unter meinem Trikot zu verstauen und eine Weste fiel mir ins Hinterrad. Dieses blockierte unter mir und brach nach links und rechts aus. Irgendwie schaffte ich es, ohne stürzen zum Stehen zu kommen. Die erste Gruppe war jedoch damit weg. So wartete ich auf die nächsten Fahrer, bei denen auch Markus dabei war und wir fuhren in ruhigem Tempo gemeinsam hinauf zum Zielort.

Viele Grüße

Johannes