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Großer Sport auf der Schlussetappe

15.06.2014

Der Sturz auf der 5. Etappe war ziemlich schmerzhaft und weitere Prellungen haben mir das Rennen nicht unbedingt leichter gemacht.

Abgesehen davon bin ich aber dennoch alles in allem gut durch die Woche hindurchgekommen. In dem Moment, der im Nachhinein betrachtet, entscheidend für unsere Mannschaft war, war ich zur Stelle. Beim Etappensieg durch Niklas Arndt konnte ich eine wichtige Aufgabe in der Sprintvorbereitung erfüllen.

Darüber hinaus war es mir jedoch nicht möglich, persönlich besonders ins Rennen einzugreifen. Auf der letzten Etappe probierte ich es noch einmal und konnte mich zu Beginn in der ersten Abfahrt mit ein paar Fahrern vom Feld absetzen. An einem anderen Tag wäre diese Attacke vielleicht erfolgreich und die Ausreißergruppe des Tages gewesen. Aber auf der kurzen Schlussetappe entwickelte sich wohl eins der interessantesten Rennen der letzten Jahre.

Sämtliche Fahrer aus den Top Ten der Gesamtwertung warteten nicht wie so oft bis zum Finale und griffen gleich am ersten Anstieg des Tages an. Meine Gruppe wurde durchgereicht und ich kam mir wie eine Verkehrsinsel vor. Es entwickelte sich ein komplett unkontrolliertes Rennen. Alberto Contadors Mannschaft war es unmöglich, ihn bei der Verteidigung seines Führungstrikots zu unterstützen. Er war bereits am zweiten Berg auf sich alleine gestellt. Chris Froomes Sky Teamkollegen mischten nahezu fast alle vorne mit, aber er selbst konnte überraschenderweise die Situation nicht nutzen. So gewann an Stelle der beiden großen Favoriten Froome und Contador, Andrew Talansky die Rundfahrt. Das war Radsport vom Feinsten. In den letzten Jahren wurden die großen Rundfahrten dadurch immer berechenbarer kontrolliert, dass die Favoriten mit ihren Mannschaften frühe Attacken immer im Griff hatten.

Abgesehen von meiner Startattacke waren meine 4 noch verbliebenen Teamkollegen und ich gestern nur Zuschauer aus der Ferne. In einem großen Gruppetto erreichten wir das Ziel mit 27 Minuten Rückstand. Davor befanden sich nur ganze 40 Fahrer. Der Rest des Feldes war bereits frühzeitig zurückgefallen.

Trotz der Bedenken vor der Rundfahrt bin ich mit unserer Entscheidung, die Dauphine zu fahren, zufrieden.

Bis zur Tour de France sind es noch knappe drei Wochen. Meine gebrochene Rippe und die Prellungen werden dann verheilt sein. Heute wurde eine erste Vorauswahl für unsere Mannschaft der Tour de France bekannt gegeben. In der 13 Fahrer großen long-list des Teams Giant-Shimano bin ich dabei. Ob ich auch in den endgültigen neunköpfigen Kader aufgenommen werde, wird nächste Woche entschieden.

Bis dahin

Johannes