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Schön, schöner Bayern-Rundfahrt

18.05.2015

Abgesehen von meinem verletzungsbedingten Ausstieg letztes Jahr habe ich nur beste Erinnerung an die Rundfahrt durch Bayern. 2009 war ich beim Team Milram dabei und wir gewannen mit Linus Gerdemann die Gesamtwertung. 2011 schaffte ich als 6. das beste Rundfahrt-Ergebnis meiner Karriere.

Dennoch war dieses Jahr die wohl schönste Austragung für mich. Zu der gewohnten sensationellen Organisation der Familie Strohmeier, den netten Unterkünften und guten Straßen kam dieses Jahr jeden Tag bestes Rennwetter dazu. Der Zuschauerzuspruch war gefühlt deutlich größer als in den Vorjahren. Um unsere Mannschaft und dem Star der Rundfahrt, John Degenkolb, herrschte ein Trubel, den ich persönlich so in Deutschland noch nicht erlebt habe.

Mit dem gleichzeitig laufenden Giro d'Italia und der Kalifornien-Rundfahrt herrschte etwas personeller Engpass in unserem Team. Wir mussten mit einem Fahrer weniger starten. Zudem waren Tom Veelers nach überstandener Knieverletzung und und unser Cross Spezialist, Lars van der Haar, weit weg von der Bestform. Meine Verfassung dagegen war sehr gut. Gemeinsam schafften wir es, das Rennen jeden Tag zu kontrollieren. Dabei kooperierten wir immer mit Bora, dem anderen größeren deutschen Team. Für beide Mannschaften führte das zu jeweils zwei Etappensiegen in den Massensprints - zweimal Sam Bennett und zweimal John Degenkolb. Die Gesamtwertung wurde mal wieder im Einzelzeitfahren entschieden. Dort hatten wir keinen Spezialisten dabei. Ein echter Spezialist gewann es denn auch: Der aktuelle Weltrekordler und schnellste Mann über die Stunde, Alex Dowsett vom spanischen Team Movistar, war damit ebenfalls ein würdiger Sieger der Bayern-Rundfahrt.

Ein gutes Beispiel für die bayerische Gastfreundschaft und die gute und lockere Stimmung in unserem Team zu diesem Zeitpunkt der Saison zwischen den großen Höhepunkten des Jahres stellt unser letztes Abendessen dar. Wir änderten kurzerhand das Menü. Es gab Haxe mit Sauerkraut und Knödeln, ein Weißbier und Kaiserschmarn. Selbstverständlich ist das nicht die beste und definitiv nicht unsere gewohnte Ernährung. Mit den vielen Renntagen und dem disziplinierten Leben im Laufe des Jahres war es ein guter Moment für eine Ausnahme. Damit nahmen wir quasi die gemeinsame Feier einer erfolgreichen Bayern-Rundfahrt und den Sieg auf der Schlussetappe vorweg, denn nach dem Ziel reisen wir in der Regel ziemlich zügig getrennt voneinander nach Hause. Als Dauergast dieser Rundfahrt in den letzten Jahren hoffe ich im nächsten Jahr wieder nach Bayern zurückkehren zu können. Jetzt geht meine Saison erstmal weiter mit der Velothon Berlin und der Luxemburg-Rundfahrt.

Pfuad Eich God Johannes